Gebet

Zu diesem Thema ist der Aufbau des Heiligtums für uns sehr interessant (2.Mo 25-30).

Die Stiftshütte ist ein Modell, welches uns zeigt, wie tägliche und aufrichtige Anbetung vor YHVH geschieht (siehe unsere Videoserie „Die Mishkan“/Stiftshütte). Zum Abschluss der Beschreibungen dieses Baues, lesen wir erst dann etwas über den Räucheraltar (2.Mo 30); obwohl dieser schon früher, mit den anderen Gerätschaften, hätte aufgelistet werden können. Der goldener Altar hält einen zentralen Punkt inne, denn das Räucherwerk das auf diesem dargebracht wurde, versinnbildlicht das Gebet der Heiligen (Ps 141:2, Off 5:8, 8:3-4). Das Räucherwerk wurde täglich für Israel, durch den Hohepriester, vor YHVH gebracht. Dieses Räuchern geschah zwei Mal täglich: morgens und abends (2.Mo 30:7-8). Wenn dies der tägliche Standard im Heiligtum war, können wir daraus gewinnen, dass unsere Gebete mindestens zwei Mal täglich vor YHVH kommen würden.

PRAKTISCH BETRACHTET

Wir lesen jedoch von Daniel, welcher dreimal täglich zu beten pflegte (Dan 6:11) und von David, der ebenfalls mehrmals täglich betetet (Ps 55:17) und siebenmal YHVH täglich pries (Ps 119:164). Aus diesem Verständnis sind wir deswegen nicht ungehorsam, wenn wir mehr als am Abend und Morgen beten. Aber, sind wir gehorsam, wenn wir nicht mindestens zwei feste Zeiten am Tag haben, wo wir vor YHVH kommen? Ohne irrationale Doktrinen zu kreieren, dürfen wir uns solche Fragen in aller Offenheit ruhig mal stellen. Wie viel Zeit verbringen wir mit unserem Schöpfer und wie sehr wiederspiegelt unser Wollen, regelmäßig vor Ihn zu kommen, unsere Beziehung zu Ihm wieder?

Kennst du das Verlangen, deinen Ehepartner, die eigenen Kinder, Geschwister oder ganz enge Freunde, zu sehen? Selbst wenn es so scheint, dass schon oft „alles bereits gesagt wurde“, besteht ein regelmäßiges Verlangen nach Austausch, Nähe und Gemeinschaft. Was im Kern das Miteinander zu unseren Mitmenschen ausmacht und bestimmt, ist die Qualität unserer Beziehung zu ihnen. Wir erfreuen uns des Öfteren an weiterer Gemeinschaft mit den Menschen, die wir am stärksten lieben; in der Regel unabhängig von der Häufigkeit des Wiedersehens. Weniger doch machen wir uns dann Gedanken, was wir beim nächsten Treffen „bereden“ wollen. Austausch und Gemeinschaft bleibt also immer einer Freude, welche aus einer vertrauten Beziehung heraus resultiert. Wäre es daher nicht die richtige Schlussfolgerung zu behaupten, wenn wir den Vater in Yeshua lieben gelernt haben, wir uns auf seine tägliche Nähe, ebenso oder noch mehr! -  freuen werden?

GEBETSZEIT

Statistiken, zu einer 10-jährigen Forschung aus den Vereinigten Staaten (Barna Research Ltd. 1991 - 2001), berichteten uns vor einigen Jahren, dass sich ein Gebet bei einem jeglichen, im Allgemeinen auf unter fünf Minuten pro Tag beläuft. Schnell gerechnet, kommen wir bei einer solchen Zahl auf eine halbe Stunde pro Woche. Wie sieht es denn bei dir aus?

Wenn ein Mann gefragt wird, ob er seine Ehefrau gut und innig kennt und dieser es bejaht; auf die Frage hin, wie viel Zeit er in den letzen 10 Jahren mit ihr verbracht hätte, jedoch mit 30 Min in der Woche antwortet (dies macht 260 Stunden in 10 Jahren und in dieser Zeit insgesamt  11 volle Tage aus = ca. 1 Tag pro Jahr!), wie sehr könnte man einem solchen Mann Glauben schenken?

Er mag immer an seine Frau „gedacht haben“ und wusste ebenso, „sie wäre die ganze Zeit da“. Aber bedeutet es, dass er seine Frau kennt? Nicht viel anders sieht es bei unserem Vater aus, wenn wir keine Zeit mit Ihm verbringen. Davids Gebet war es, immer bei YHVH sein zu können (Ps 27:4).

„KENNEN“

Das Wort „zu kennen“ /ידע  ausgesprochen "yada"/STRONGS H3045 beschreibt im Tanakh (Torah, Propheten und Schriften), "etwas zu wissen" oder "über etwas Bescheid" zu haben. Dieses Wort beleuchtet, im biblischen Hebräisch, aber noch weiter eine sehr intime Beziehung und ist auch das Wort welches genutzt wird, wenn ein Mann zu seiner Frau eingeht; wie z.B. bei Adam und Eva (1.Mo 4:1). Dasselbe Wort wird auch genutzt, wenn geschrieben steht, dass YHVH Israel "kennt" (2.Mo 2:25). Er sah ihre Bedrängnis an und wegen dem geschlossenen Bund mit Vater Abraham, Isaak und Jakob (v.24), gedachte ("kannte" /yada) YHVH an Israel. Unter diesem Aspekt, machen die Worte von Yeshua einen ganz anderen Eindruck auf uns:

MATTHÄUS 7:22-23:
22 Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wundertaten vollbracht?  23 Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen!

Diese Worte von Yeshua sind heute in griechischen Manuskripten aufgezeichnet. Messias sprach auf Erden aber Hebräisch und hatte entsprechende Gedankengüter der Kultur im Sinne: Das Problem war hier nicht das Fehlen von diversen Taten, sondern dass Er zu dieser Menge nie - zu keiner Zeit - je ein inniges, intimes Verhältnis hatte!

Wir möchten mit dem Vater der Herrlichkeit, YHVH Elohim, die Ewigkeit verbringen. Dies ist Sein Geschenk an uns und Er offeriert es jedem, der es annehmen möchte. Wie erwarten wir dann, kurz vor diesem Tag eine Beziehung zu Ihm aufgebaut zu haben, wenn wir es jetzt nicht tun? Schreibe mal bitte auf dieser Linie für dich auf, wie viel Zeit du in der letzten Woche im Gebet verbringen konntest: ______________.  Würdest du meinen, dass du mit dem Vater ausreichend Zeit hattest?

WIE SOLLEN WIR BETEN?

Diese Frage wurde auch schon damals an den Herrn Yeshua von Seinen Jüngern herangetragen (Luk 11:1). Die Antwort des Messias ist das, was von vielen heute als „das Vaterunser“ aufgesagt wird:

MATTHÄUS 6:9-13
»9 Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten: Unser Vater, der du bist im Himmel! Geheiligt werde dein Name.  10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. 11 Gib uns heute unser tägliches Brot. 12 Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.«

Unser Messias Yeshua hat es uns allerdings nicht geboten, in unseren Gemeinden ein uniformes, rezitierbares Gebet parat zu haben! Genau vor diesem möchte Er uns bewahren, damit wir nicht mit herzlosem und mechanischem Gebet vor dem Vater erscheinen (Matt 6:7). Unser Erlöser zeigt uns auf, welchen Leitfaden wir im Gebet befolgen sollten. (Notiere: Er sagt "auf diese Weise" und nicht "dies sollt ihr sprechen"). In unseren Gebeten, bekennen wir als erstes die Heiligkeit des Vaters und erkennen Ihn für alles an. Anschließend bekennen wir uns nach Seinem Willen auszustrecken, bitten um Seine Versorgung, sind um die Beziehungen zu unseren Mitmenschen bemüht und bitten Ihn um Bewahrung auf unserem täglichen Weg. Wir geben Ihm, im Namen Yeshua, die Ehre. Dieses, unser tägliches Gebet, ist dabei auch das, was unser tägliches Bestreben im Glauben ist. Leben wir dies täglich, kosten wir somit von dem täglichen Manna, welches unsere Seelen am Leben hält.

IM NAMEN YESHUA BETEN

Yeshua verspricht uns, dass Er uns alles was wir in Seinem Namen beten werden, erfüllen wird (Joh 14:14,16:24). Was wird darunter verstanden, dass Er uns das begehren unseres Herzens geben wird (Ps 20:5, 37:4)? Auch hier hat die moderne Kirche ein irreführendes Verständnis entwickelt; dass alle unsere Bitten durch Gebete, in welchen der Name des Messias am Ende vorkommt, uns  gewährt wird! Gebete wie "Bitte, gib uns ein sehr großes Haus: im Namen des Messias!" geschehen daher auch nicht selten. Dies ist aber Aberglaube und nicht Gebet. Unsere Wünsche und Gelüste die erfüllt werden sollten,  in denen wir als Bekräftigung am Ende des Gebets an YHVH Elohim den Namen des Sohns aussprechen, ist nicht das biblische Modell eines Gebets. Mehr ist ein solches aber heidnisches Gedankengut und ein solches "Gebet" wird vom Vater natürlich nicht erhört (Jak 4:3). Was Yeshua uns aber zusagt ist, dass alles was wir in Seinem Sinne erbeten werden: alles , was mit Seinem Willen und Vorhaben einhergeht, uns auch zugewiesen wird.

Hiervon wird bei uns ja auch ausgegangen, wenn wir das größte Gebot, YHVH mit unser ganzen Seele zu lieben, betrachten (5.Mo 6:5, Mar 12:30). Ist unser gänzliches Trachten nach dem Willen des Vaters, wird es auch unser gänzliches Bestreben sein, Sein Willen tun zu wollen. Dies können wir wiederum nur durch Seinen Ruach (Geist) bewirken (Joh 16:13), und so setzt es Yeshua bei uns voraus, dass der Empfang des Geistes, auch ein Gebetsanliegen sein wird! (Joh 7:37-39, Luk 11:13). Aus dieser Beziehung zum Vater in Yeshua, wird also unser Gebet geformt. Das Gebet kommt somit aus der Anbetung heraus. Das, was unser Vater uns durch diese intime Beziehung zu Ihm endgültig schenken wird, ist Sein ewiges Erbe (Jes 58:14). Dies ist die eigentliche Substanz des Gebetes.

MIT "HEILIGEN HÄNDEN" BETEN (1.TIMOTHEUS 2:8)

In der Schrift steht, dass Gott die Gebete eines Sünders nicht erhört (Joh 9:31) und wiederum, dass der Allmächtige unsere Gebet erhört, weil wir nach Seiner Wohlgefälligkeit handeln und Seine Gebote tun (1.Joh 3:22). Da das Wort Gottes auch schreibt, dass es keinen gibt der nicht sündigt (1.Kö 8:46, 1.Joh 1:8-10), ist hiermit ein unbußfertiges Leben in der Sünde gemeint. Ein solches Leben ist nicht gottgeweiht (1.Joh 3:8), denn Gott zu lieben bedeutet, aus Ihm geboren zu sein und das Böse zu hassen (Ps 97:10, Spr 8:13). Sünde, kann entsprechend keinen Anspruch auf Austausch mit YHVH haben. Mit Unreinheit im Herzen kommen wir also nicht vor Gott;  Er, der uns alles gegeben hat, um rein vor Ihm zu sein! Wenn wir aber fehltreten, dürfen wir vor den Gnadenthron treten um Gnade zu erbitten und zu empfangen (Heb 4:16).  So lehrt es uns Yeshua, für die Vergebung unsere Sünden zu bitten - und hieraus, von Ihm vergeben, vergeben wir auch Anderen (Matt 5:24, 6:15, 18:35).

PSALM 66:18 »Wenn ich es in meinem Herzen auf Frevel abgesehen hätte, so würde der Herr nicht gehört haben 19 Doch Elohim hat gehört, er hat gemerkt auf die Stimme meines Gebets. 20 Gepriesen sei Elohim, der nicht abgewiesen hat mein Gebet, noch von mir abgewandt seine Güte!«

HIOB 11:14 »wenn Frevel in deiner Hand ist, so entferne ihn, und lass Unrecht nicht wohnen in deinen Zelten- 15 ja, dann wirst du dein Angesicht erheben ohne Makel, und wirst unerschütterlich sein und dich nicht fürchten.«

Der Apostel spornt uns an, mit Freimutigkeit vor dem Thron des Schöpfers zu treten (1.Joh 3:21). Wenn unser Herz dennoch etwas gegen uns weiß, dürfen wir auch hier Vertrauen haben, dass Gott unsere Herzen kennt und uns vergeben möchte, wenn wir bekennen und Buße tun. Es ist gut, unsere Herzen von Yeshua reinigen zu lassen, um den lebendigen Elohim Israels anzubeten. (Siehe, bez. das aufrichtige Herz und Gebet, auch: 2.Kö 20:3, 2.Chr 19:9, Heb 9:14, Ps 101:2, Spr 15:29,28:9, Kol 3:22).

DEM HERRN BEFOHLEN!

SPRÜCHE 3:5 »Vertraue auf YHVH von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand;« Die Großen des Glaubens sind in der Heiligen Schrift, durch Ihr Vertrauen auf YHVH charakterisiert. Vor großen Entscheidung lesen wir sehr oft, wie sie YHVH zuvor um Wegweisung baten (1.Sam 23:2,9-12, 30:7-8, 2.Sam 5:19, Neh 1:11) und waren es gewohnt, viel vor YHVH zu beten (Apg 3:1, 10:9, 20:36, Eph 3:14, Phil 1:4, usw.). Yeshua, das sündlose Lamm Gottes, verbrachte viel Zeit im Gebet mit dem Vater (Matt 14:23, Mar 6:46). Vor der wichtigen Entscheidung des Wählens seiner zwölf Jünger, verharrte der Messias sogar die Nacht über im Gebet (Luk 6:12-13). Nichts tat der Herr Yeshua, ohne den Willen des Vaters zu tun (Joh 8:29). Selbst-  und gerade -  in den schwierigsten Situationen, sprach Er alles mit dem Vater ab (Luk 22:41-44), um Seinen Willen zu suchen. Herr, hilf unserem Glauben und stärke uns! Denn hierin liegt unsere Kraft und die Hingabe zu YHVH im Messias.

Manchmal möchten wir beten aber bemerken, dass unsere Herzen kalt sind; oder dass wir gar nicht wissen, um oder für was wir beten sollen. Ein gutes Antidote hierfür ist, anfangen Ihn zu preisen! (Ps 100:4). Es gibt so viel, für was wir dem Vater danken können (Phil 3:1, 1.Thes 5:16-18). Gerade in einem solchen Fall, sollen wir in Seine Anwesenheit rücken; denn der Elohim Israels ist unveränderlich! Offenkündig sprechen wir dieses Gefühl der Leere an und bleiben im Gebet vor Ihm, damit Er unsere Herzen erwärmt. Es wird kein einziges Mal geben, wo Er nicht antworten wird, wenn wir unseren Zustand aufrichtig bekennen. Manchmal mühen wir uns mit Werken ab, versuchen aus uns heraus die Liebe zu erbringen, die wir nicht haben und merken dann erschöpft, dass wir uns nur abstrampeln. Seine Nähe aufzusuchen und um Seine Kraft zu bitten! (Jes 40:31). YHVH hat für uns gute Pläne und Absichten (Jer 29:11). Wir dürfen unsere Herzen in Ihm beruhigen (Ps 131:2-3); alles hält Er in Seiner Hand (Jes 41:10).

Aufrichtiges, freimütiges Gebet vor dem Vater, ist also unser Ziel in Messias Yeshua. Was dieser Artikel also nicht versucht, ist es, einem jeglichen eine tägliche Stundenanzahl des Gebets nahzubringen, formulierte Gebete zu wiederholen oder Liturgien erfinden zu wollen. Viele bemängeln, dass es immer zu viel zu tun gibt, um ein ständiges Gebetsleben aufrecht zu halten. Gebet ist aber nicht nur, wenn wir uns erst im stillen Kämmerlein befinden (Matt 6:5-6). Es bedeutet dennoch, intime und abgesonderte Zeit mit dem Vater zu suchen. Die beste Zeit, um mit unseren Gebeten anzufangen, ist früh am Morgen; gleich wie Yeshua es tat (Mar 1:35). Nach einem passenden Gebetsrhythmus, als Leitfaden das Morgen- und Abendgebet zu inkludieren, dürfen wir unseren Tag ausrichten. Viel zu tun haben wir natürlich immer.

Die Sachlage könnte dabei die sein, dass wir Aufgaben oder Termine so anpassen, dass freie Zeit zum Gebet erhalten bleibt. Früher aufzustehen, andere Aktivitäten zu überprüfen usw., brauchen aktive Beobachtung unsererseits. Wir Menschen haben meistens auch immer Zeit, für das was uns wichtig ist! Die schwerstbeschäftigten Menschen finden noch Zeit, um einen Partner kennenzulernen, Hobbies nachzugehen und Feten oder Feierlichkeiten zu besuchen! Die Wahl liegt, in Wahrheit, ganz bei uns selbst.

Ein qualitatives Gebetsleben benötigt aktive Pflege und braucht es, wenn noch nicht vorhanden, durch den Ruach antrainiert zu werden. Wenn ein solcher Weg bisher nicht praktiziert wurde, kommt dieser nicht aus sich selbst heraus. Bitten wir den Vater in Yeshua: uns zu leiten und uns Disziplin zu schenken. Aber vor allem, uns Seine überschwängliche Liebe zu geben, um allezeit in Seiner Anwesenheit sein zu wollen. Nichts haben wir auf Erden, außer Ihn! (Ps 73:25). Möge Sein Angesicht über uns erleuchten!